Midsummer Night's Dream

One day, it was Midsummer and the Swedish days where as long as the dinner table for the king's birthday. A wise old moose on his evening stroll met a young boy, sitting on a moss covered tree trunk, sobbing deeply. The old moose stopped and looked at the boy who did not notice him because of all his despair. Not until the moose nudged him with his soft muzzle did the boy raise his eyes. And just in front of him he saw the big brown eyes of the moose. He saw in those eyes all the stars in the heavens that he could not see before on this Midsummer night. So big, so deep and so endless the eyes seemed to be that he got the feeling he could just take a walk right into them. The stars where so beautiful, like jewels, iridescent and glittering in all colors he could imagine, scattered like the crumbles on grandma's apple-pie, big ones and small ones, thick and thin ones, each of them meaningful and unique. At the sight of all those treasures the boy got the feeling he was surrounded by good friends, who bestowed upon him potency and love.

So they stood for a long time and looked at each other, the young boy and the old moose. Then the moose blew his warm and soft breath through the boy's hair, turned around and faded into the forest. The boy looked after him for a long time, as if in trance, and only after a while did he discover that his infinite sadness had transformed. It was still there but all of a sudden there was also a happiness and cheerfulness. And he somehow felt that this had something to do with the stars he had seen in the fathomless eyes of the old moose.

He turned around and walked back home. And whistling happily away he kicked at the stones that laid on his way.

 The wash

Once there was a little ghost, who felt so down and out that it could not even find any pleasure in haunting it´s tiny world. The days seemed to be like huge impassable mountains and even the tiniest movement was too much for it. It felt so run down that a gust of wind was able to grab it and sweep it into a washing trough, where linen was being soaked. Too wet, too heavy in body and mind and too tired the little ghost sighed and sank to the bottom of the trough.

Now because it looked exactly like a linen, the washer women took it through the whole procedure of wringing and mangling and put it on the clothesline in the end. There it was, hanging down from the line, flabby and damp and drifting feebly in the summer breeze.

The more it dried, the more effortlessly it flapped around on the clothesline but in its sad and doleful condition it could not feel or sense its lightness. But then a little girl walked by, stopped and looked at it for a while. Then, with a yearning in her voice, she said, “Oh, if I were able to fly so easily in the wind, I would laugh and sing and enjoy my day”. She went off but the little ghost looked after her for a long time and thought, “Oh, you would, would you” and started to move just a tiny little bit on its own.

 

Aussicht

"Na", sagte der Specht, als er an einem Astloch vorbeiflog, in dem ein Krokodil saß, "fühlst du dich da nicht fehl am Platz?"

"Nein, wieso", antwortete dieses, "die Aussicht von hier oben ist doch wunderbar."

 

Schildkröten pflanzen

Neulich war ich in Mexico. Da habe ich Carlos kennen gelernt. Er lebt mit seiner Frau in der Nähe von Acapulco und hat ein kleines Restaurant direkt an einem wunderschönen, langen Sandstrand. Die beiden haben ein gemeinsames Ziel: sie helfen den mexikanischen Tortugas. Tortuga ist das spanische Wort für Schildkröte. Schildkröten kommen ja immer an den Strand zurück, an dem sie geboren wurden. Dort legen sie ihre Eier in den Sand, das machen sie so 5 Mal im Jahr. Und jedes Mal legen sie so um die 80 Eier ab. Eine ganz schöne Menge.

Nun gibt es an dem Strand aber viele Hunde, die die Eier ausgraben. Auch Strandvögel kommen gern und holen sich welche. Aber auch dann, wenn die Babies geschlüpft sind, sind sie auf dem langen Weg den Strand hinunter zum Meer sehr gefährdet und viele überleben die erste Stunde nicht.

Deshalb gehen Carlos und seine Frau in der Zeit, in der die Schildkrötenmamas an Land kommen, nachts über den Strand und graben die frisch gelegten Eier aus. Die verbuddeln sie dann auf ihrem Grundstück. Sie stecken kleine Täfelchen in den Sand, auf denen steht, wo sie die Eier gefunden haben, wann und wie viele es waren. Im Spanischen heißt das übrigens nicht „Schildkröteneier eingraben“ sondern „pflanzen“. Und das, finde ich, klingt viel sympatischer.

Nach ungefähr 45 Tagen schlüpfen die Babies dann. Sie sind ganz dunkel, fast schwarz und ungefähr so groß wie eine Tafel Mini-Rittersport-Schokoloade mit kleinen Flossen dran. Die Kleinen werden von Carlos dann in eine riesige Wanne gesteckt, wo sie sich erst mal einen Tag an ihr neues Leben gewöhnen können. Und dann, am nächsten Abend, tragen er und seine Frau die Schildkrötenbabies runter an den Strand, setzen sie auf den Sand und ermuntern sie dazu, in das große weite Meer zu krabbeln, das ihr zu Hause werden soll. Manchmal helfen ihnen Freunde dabei. Und das ist auch gut so, denn nicht jede kleine Schildkröte macht sich gleich mit riesigen Schritten auf den Weg. Manche sitzen erst mal eine Weile da und begucken sich die Welt oder sie krabbeln in die falsche Richtung. Und damit ihnen in dieser Zeit nichts passiert, passen Carlos und seine Freunde auf sie auf, tragen sie ein wenig näher ans Wasser und ermuntern sie, jetzt ihr eigenes Schildkrötenleben in die Hand, – oder besser in die Flossen - zu nehmen.

Auf diese Weise hat Carlos schon viele Tortugakinder gerettet. Manchmal, sagt er, ist es wie ein Kampf gegen Windmühlen, kaum hat er ein paar ins Meer entlassen, kommen schon wieder neue Mamas mit noch mehr Eiern. Und nicht jede der kleinen Schildkröten wird im weiten Ozean überleben. Aber jeder einzelnen verschafft er eine Chance. Und das, so sagt er, macht ihn jeden Tag auf´s Neue sehr glücklich.

 

 

Luftballonlösung

 In der Gemeinde wusste niemand genau, wann das Fest stattfinden würde. Aber dass es an irgendeinem Tag sein musste, war allen klar.

Als es dann soweit war, versammelten sich alle auf der großen Wiese vor dem Dorf. Es waren viele Menschen. Auch Wanderer, die zufällig vorbei kamen blieben stehen und viele von ihnen nahmen Anteil. In der Mitte der Wiese war eine Jahrmarktbude aufgebaut. Dort konnte sich ein jeder einen Luftballon aussuchen und ihn mit Gas füllen lassen. Es gab rote, grüne, blaue, gelbe, violette. Solche mit Gesichtern drauf, marmorierte und sogar welche mit Pünktchen.

Nacheinander ließen die Dorfbewohner und die Gäste ihre Luftballons los. Sie stiegen in den blau-grauen Himmel auf und es war ein wunderschöner Anblick. Am Anfang blieben sie alle zusammen, wie Trauben, die an einer Weinrebe hängen. Doch mit der Zeit lösten sich einige aus der Verbundenheit mit den anderen und begaben sich auf ihre eigene Reise.

Und einer von ihnen, ich weiß nicht, ob es der rote oder der grüne war oder vielleicht auch der mit den Pünktchen, der machte sich still und leise auf und davon und verlor sich in der Weite des Himmels, um am weitesten von allen zu fliegen. Vielleicht sogar bis zu den Sternen.

 Der Teich

Ein Tischler erzählte mir neulich, dass er in seiner Mittagspause gern in den Park zu einem kleinen Teich geht und die Seerose und die Fische darin beobachtet. Nun schon über viele Jahre hinweg. „Es ist doch wunderbar“, sagte er, „ wie die Natur für sich selber sorgt. Am Anfang war die Seerose ja noch ganz klein, sie wuchs langsam aber stetig. Die Fische hingegen haben sich rasend schnell vermehrt, es waren wirklich sehr viele. Inzwischen, nach einigen Jahren, kriegen die Fische kaum noch Junge, es sind wieder ungefähr so viele geworden, wie am Anfang. Und die Seerose wächst nicht mehr so gleichmäßig, sie schiebt nur so viele Blätter nach, dass der Teich gut beschattet ist. Ich habe noch nie einen Menschen gesehen, der da für Ordnung gesorgt oder die Fische gefüttert hätte. Diese Balance, die da irgendwie von ganz allein entsteht, finde ich sehr beeindruckend.“

  Das Pferd, der Halm, das Glück und ich

"Was ist Glück für Dich?", fragte sie.
"Weißt du, neulich saß ich am frühen Morgen auf dem Balkon einer Ferienwohnung, in der Hand die erste Tasse Kaffee. Die Sonne lugte durch die Wolken, die Vögel piepsten und trällerten und da war noch ein Geräusch, das ich nicht gleich einordnen konnte. Nach einer Weile wurde mir klar, dass es das Rupfen des Grases durch die Pferde war, die direkt neben mir auf ihrer Koppel standen. Und je mehr ich lauschte, um so mehr sponnen mich diese regelmäßigen rupfen-zupfen-mahlenden Laute ein und ich fühlte mich einfach nur wohlig und warm. Allmählich wurde mir dann klar, dass nicht die Pferde diese Glücksgefühle in mir auslösten sondern die Tatsache, dass ich wahrgenommen hatte, dass etwas so Alltägliches, wie grasende Tiere, so etwas Großes in mir entstehen lassen kann. Und während ich dir das erzähle, erlebe ich diesen Moment gerade wieder. Das ist doppeltes Glück."

 

 Wie alles begann…
 
An einem Augusttag des Jahres 2013.
 
Kein Blick auf Jungfrau, Mönch und Eiger. Nur Nebel, Wolken, Regen.
Der Weg ins Tal glich einer Rutschbahn aus matschiger Erde, durchsetzt von kleineren und größeren Wasserströmen.
In der Hütte hatten vier Wanderer Zuflucht gefunden.
„Wie lange wollen wir noch warten? Das hier ist der letzte Zipfel Wurst. Danach müssen wir von Luft und Liebe leben…“
„Oder von Gebeten…“
„Von der Musik des Regens…“
„Oder von Geschichten…“
„Wunderbar! Du bist doch Pädagoge. Erzähle uns doch eine der Geschichten für deine Schüler.“
„Bei dem Regen braucht meine müde Seele erst ein wenig Trost. Ich lasse mal dem Herrn Pastor den Vortritt. Wie war das noch mit Noahs Arche…?“
„Ein bisschen mehr Respekt, mein Herr. Ich bin nicht der Elia[1]. Vielleicht könnte unser Trainer für Achtsamkeit den Boden bereiten, damit die Worte, vom Himmel bewässert, Früchte tragen?“
„Achtsam erschiene es mir, wenn ich das Wort an die Dame erteile. Wenn sie mit uns eine der Geschichten teilte, die sie früher mit ihren Kindern ausfabuliert hat, wäre ich für’s erste vollauf zufrieden.“
„Wenn ihr euch ziert, beginne eben ich. Wem dann zu meiner Geschichte eine weitere einfällt, die ihm dazu zu passen scheint, der mag fortfahren.“
Einen Augenblick schwiegen sie.
Gleichförmig prasselte der Regen aufs Dach.
Dann begann sie zu erzählen.

… und wie es (noch nicht) endete
 
„Der Regen hat aufgehört.“
„Schade eigentlich.“
„Ist das also das Ende unserer Geschichte?“
„Ich möchte, dass wir uns wiedersehen.“
„In einem Jahr auf dieser Hütte?“
„Ich möchte aber auch eure Geschichten.“
„Das heißt, jeder schreibt seine Geschichten auf?“
„Das wäre fast schon…
… ein kleines Buch.“
 
Die Endredaktion des Buches fand im August 2014 in der Hütte „Am alten Gleis“ in Wengen im Berner Oberland statt.

[1] „Elia … betete ein Gebet, dass es nicht regnen sollte, und es regnete nicht auf Erden drei Jahre und sechs Monate.Und er betete abermals, und der Himmel gab den Regen und die Erde brachte ihre Frucht.“ (Lutherbibel, Jak. 5,17-18)

 

Ich will so bleiben, wie ich bin

Jakob war in der letzten Zeit sehr niedergeschlagen. Früher war der Junge immer fröhlich, er sang lauthals auf dem Weg zum Schulbus und war immer zu einem kleinen Schwatz aufgelegt. Aber in den vergangenen Wochen sah sie ihn meist still und langsam an ihrem Haus vorbei laufen. Eines Tages fragte sie ihn, wo denn seine gute Laune abgeblieben sei. Er antwortete erst gar nicht, dann aber erzählte er doch, dass er das Gefühl habe, er könne es niemandem Recht machen und auf ihre Nachfrage sagte er: „In der Schule mahnen mich die Lehrer dauernd. Sie wüssten genau, ich könnte mehr leisten und sei doch ein ganz Schlauer, ich müsste es nur zeigen. Mich mehr beteiligen, mich mehr anstrengen. Meine Klassenkameraden nerven am laufenden Band, weil ich keine modischen Klamotten anhabe und machen sich lustig. Mein bester Freund findet mich gerade blöd, weil mich Fußball halt so gar nicht interessiert. Und meine Eltern meckern rum, weil ich nicht in einem Verein und zu viel in meinem Zimmer bin. Das macht mich ganz irre. Und aggressiv. Was wollen die alle von mir? Können die mich nicht in Ruhe lassen? Was soll ich denn alles an mir ändern? Muss ich in Nikes mit Vokalbelkarten in der Hand auf so ein bescheuertes Tor schießen, damit mich die anderen OK finden?“

„Ups“, antwortete sie, „da prasseln ja eine Menge Wünsche auf dich nieder. Da kann man sich selbst schon mal verlieren.“

„Genau, dabei finde ich mich ganz ok so, wie ich bin. Aber vielleicht haben die anderen ja doch Recht und ich muss da was ändern...“

„Ich will dir mal von meinem letzten Besuch im Zoo erzählen“, sagte sie. „Besonders lange habe ich mir die Krokodile angeschaut. Die erstaunen mich schon sehr. Sie sind so alt und urtümlich. Sie haben sich seit ihrer Entstehung nur wenig verändert. Wenn man das bedenkt, sind sie ziemlich gut durch die Jahrtausende gekommen, denkst du nicht? Das Krokodil hat sich nur da angepasst, wo es wirklich wichtig war. Die meisten leben im Süßwasser, können aber auch im Meer überleben. Ihr Körper ist perfekt auf die Bedürfnisse von  Amphibien abgestimmt, trotzdem können sie mit ihren kurzen Beinen und dem schweren Körper an Land schneller laufen, als ein Mensch rennen kann. Wenn man sie da so bewegungslos liegen sieht, machen sie ja nicht gerade den intelligentesten Eindruck aber die Forscher haben herausgefunden, dass sie doch ganz schön schlau sind. Und sie werden ziemlich alt, ein Zeichen dafür, dass sie nicht allzu viele Fehler in ihrem Leben begehen. Sie können ihr Verhalten an veränderte Lebensumstände anpassen, machen das aber nur in dem Maß, wie es wirklich wichtig ist. Sie sehen ja nicht gerade hübsch aus, aber spannende Tiere sind sie schon...“

Sie plauderten dann noch ein bisschen über Tiere im Allgemeinen und Jakobs Hund im Besonderen. Und in den nächsten Tagen hörte sie ihn ab und an wieder singen.

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